Pädagogische Konzeption
Kinderbildungsgesetz
Laut §2 des ersten Kapitels des Kinderbildungsgesetzes -KiBiz- hat jedes Kind einen Anspruch auf Bildung und Förderung seiner Persönlichkeit. Die Tageseinrichtungen für Kinder haben die Aufgabe, anhand eines eigenständigen Bildungs- und Erziehungsauftrages die Förderung des Kindes in der Familie zu ergänzen und die Eltern in der Wahrnehmung ihres Erziehungsauftrages zu unterstützen. Weiterhin ist in §13 (3) festgelegt: “Die Einrichtungen haben ihre Bildungskonzepte so zu gestalten, dass die individuelle Bildungsförderung, die unterschiedlichen Lebenslagen der Kinder und ihrer Eltern berücksichtigt und unabhängig von der sozialen Situation der Kinder sichergestellt ist.“
Mein inklusives Bild vom Kind und pädagogischer Ansatz
Kinder sind für mich individuelle Persönlichkeiten. Mein Anspruch ist, jedem Kind sein eigenes Lerntempo zuzugestehen. Jedes Kind ist anders und besonders und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die Kinder sollen selbständig Erfahrungen machen können. Da ich sie dabei intensiv beobachten, bin ich in der Lage, sie dabei zu unterstützen und ihren Erfahrungshorizont zu erweitern. Dies hilft mir auch bei der Betreuung von Kindern mit Behinderungen, da ich so sehr gut ihre besonderen Bedürfnisse erkennen und sie in ihrer Entwicklung fördern kann. Ich achte darauf, dass die Altersstruktur in der Kindergruppe gemischt ist, so dass immer „Große“ da sind, von denen man lernen kann. Die auf das Kind zentrierte Betreuung und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern ermöglicht es den Kindern, sich wohlzufühlen.
Partizipation-Teilhabe im Leben
Demokratie lernen ist bei mir ein wichtiger Teil der Betreuung. Ich lebe den Kindern vor, ihren Mitmenschen Respekt und Anerkennung entgegenzubringen. Die Kinder werden als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen und bestimmen den Tagesablauf mit. Sie entscheiden z.B. mit wem sie spielen, womit und wie lange. Wir planen die Mahlzeiten gemeinsam; die Kinder helfen bei der Zubereitung mit und entscheiden während der Mahlzeiten, was und wie viel sie essen. Bei auftretenden Streitigkeiten bemühe ich mich, die Kinder die Situation selbst auflösen zu lassen oder helfen ihnen, Kompromisse zu schließen.
Die Bildungsbereiche in der Tagespflege
Sprache und Kommunikation
Ich sehe mich als Sprachvorbild für die Kinder und biete ihnen Anlässe zum Sprechen und zum Erlernen neuer Worte durch z.B. Tischgespräche bei den Mahlzeiten, durch Singen und Reime, bei Bilderbuchbetrachtungen, während des Morgenkreises etc. Ich gehe auch auf scheinbar „unverständliche“ Erzählungen interessiert ein, gebe Kommentare und stelle Nachfragen; so fördere ich Freude an Sprache und Kommunikation.
Soziale, kulturelle und interkulturelle Bildung
Ich lebe den Kindern Offenheit und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen vor. Ich ermutige sie zu unbefangenem Umgang mit Dingen und Menschen, die ihnen fremd erscheinen und beantworte ihre Fragen dazu wertfrei. Ich beschäftige mich mit Traditionen und Gebräuchen und beziehe dabei die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe aller Kinder mit ein.
Bewegung
Durch Bewegung bekommen die Kinder ein Gefühl für ihren Körper, lernen und trainieren Bewegungsabläufe und ihren Gleichgewichtssinn. Freude an Bewegung wecke ich durch tägliche Angebote im Bewegungsraum, beim Spazierengehen, beim Spielen im Garten oder auf dem Spielplatz. Die „Beherrschung“ ihres Körpers gibt den Kindern Selbstvertrauen.
Körper, Gesundheit und Ernährung
Sinneserfahrungen (hören, riechen, schmecken, fühlen, sehen) sind für Kinder wichtig. Sie erfahren dadurch ihre Umwelt, z.B. beim Schmecken und Riechen verschiedenster Lebensmittel (die man auch fühlen kann!), beim Barfuß-Laufen auf unterschiedlichen Untergründen oder beim Ertasten von Dingen in der Verschwinde-Box. Auch hierbei entwickeln die Kinder ihr Körpergefühl und somit Selbstbewusstsein. In der Ernährung biete ich den Kindern eine große Bandbreite an Geschmacksrichtungen und Konsistenzen.
Musisch-ästhetische Bildung
Singen, musizieren, tanzen und gestalten mit unterschiedlichsten Materialien ermöglichen es den Kindern, vielfältige Erfahrungen zu sammeln und einen (oft “eigenen“)Sinn für Ästhetik zu entwickeln.
Kreativität und Spielen
Ich stelle den Kindern vielfältige Materialien zur Verfügung: Stifte, Fingerfarben, Papier, Schere, Kleber, Knete usw. und biete ihnen die Möglichkeit, nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Beim Freispiel lernen die Kinder, selbständig Entscheidungen zu treffen, womit oder mit wem sie spielen wollen. Sie üben das soziale Miteinander, erfahren ihre eigenen Grenzen und die der anderen Kinder und lernen, Kompromisse einzugehen. Beim Toben, Hüpfen und Springen trainieren sie ihr Körpergefühl und lernen auch dort ihre Grenzen oder erweitern sie auch.
Naturwissenschaftlich-technische-mathematische Bildung
Kinder erfahren ihre Umwelt durch selbständiges Experimentieren, Beobachten, Vergleichen und lernen so auch Zusammenhänge kennen.
Wie schraube ich das Rad an den Bagger?
Wie werden aus Milch und Mehl Pfannkuchen?
Wo kommt das Auto aus der Pappröhre raus und wie geht das?
Wie fühlt sich nasse und trockene Watte an?
Ich biete den Kindern drinnen und draußen Möglichkeiten dazu und gehe jederzeit auf Fragen ein.
Ökologische Bildung
Ich gehe mit den Kindern häufig in den Garten, so dass sie den Wechsel der Jahreszeiten erleben und was sich dabei in der Natur verändert. Sie helfen bei der Gartenarbeit mit und wir beobachten Insekten, Raupen, Käfer etc. bei ihrer „Arbeit“.
Medien
In der Tagespflege stehen den Kindern altersentsprechende Bücher zur Verfügung. Sie sind frei zugänglich, so dass die Kinderselbst entscheiden können, ob sie ein Buch anschauen möchten. Ich lese den Kindern auch vor oder schaue mit ihnen gemeinsam ein Buch an.
Soziale Kompetenzen für alle Kinder
Das Zusammensein in der Tagespflege fördert von Beginn an die Sozialkompetenz der Kinder. Sie lernen voneinander. In der Gruppe erfahren sie ihre eigenen Grenzen und die der anderen Kinder und üben, Kompromisse zu schließen. Der Alltag bietet dafür vielfältige Möglichkeiten: Wer bekommt welches Spielzeug? Warum kann ich es jetzt nicht haben? Wer bekommt das letzte Stück Apfel? Die Rutsche muss man nacheinander benutzen… der/die … kann es noch nicht so gut, wartet bitte, bis er/sie fertig ist etc.
Kinder beobachten
Beobachtung gehört zu den wichtigsten Aufgaben in der täglichen Arbeit mit Kindern. Da Kinder unter 3 Jahren sich größtenteils noch nicht verbal mitteilen können, ist Beobachtung die Grundlage, um die Kinder kennenzulernen und so nach und nach ihre Signale „übersetzen“ und ihnen individuelle Beschäftigungs- und Förderangebote machen zu können. Durch das Beobachten und Dokumentieren können die Eltern am Alltag ihrer Kinder teilhaben und ich kann sie bei anfallenden Fragen beraten.
Eingewöhnung in der Kindertagespflege
Mit dem Start der Betreuung in der Tagespflege beginnt für Kinder und Eltern eine neue, aufregende Lebensphase. Für die Eingewöhnung nehme ich mir daher viel Zeit. Ich biete mehrere Wochen vor der eigentlichen Eingewöhnung „Kennenlern“-Nachmittage an. Eltern und Kinder dürfen zum Spielen kommen; auf diese Weise lernen sie mich und die Räumlichkeiten kennen. Ich erarbeite in dieser Zeit mit den Eltern einen Anamnesebogen zu Lebenssituation und Gewohnheiten der Kinder. Fängt dann die „offizielle“ Eingewöhnung an, kennen wir einander schon etwas und der allmähliche Trennungsprozess von der Bezugsperson kann beginnen. Dabei bestimmen allein die Kinder das Tempo; so gewährleiste ich einen möglichst behutsamen Übergang von einer Lebensphase in die nächste.
Bedürfnisse erkennen durch Beobachtung
Ist die Eingewöhnungszeit abgeschlossen, verbringen die Kinder oft den größten Teil des Tages bei mir. Die dem Kind zugewandte Betreuung erleichtert es mir, einander kennenzulernen. Mit Hilfe von Beobachtung erkenne ich nicht nur die körperlichen Bedürfnisse (Essen, Trinken, Windelwechsel/Toilettengang, Schlaf) der Kinder, sondern biete ihnen auch durch liebevoll fürsorgliche Betreuung mit dem für sie wichtigem Körperkontakt, der ihnen Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit vermittelt.
Spielräume
Kinder unter 3 Jahren brauchen „Bildungs“-Räume; jedes Kind ist wissbegierig und will sein Umfeld erobern. Sie haben bei mir viel Platz zum Spielen. Da der Boden der bevorzugte Aufenthaltsort der Kinder in diesem Alter ist, gibt es Teppiche, damit sie sich wohlfühlen. Spielmaterialien suche ich altersentsprechend aus; sie sind in Kisten, Körben und Schubfächern untergebracht und jederzeit für Kinder zugänglich. Neben gekauftem Spielmaterial gibt es auch Alltagsmaterialien (Schneebesen, Rührlöffel, Aufbewahrungsdosen, Beutelclips, etc.) und sogenanntes „wertfreies“ Material (leere Joghurteimer, leere Verpackungen, Flaschenverschlüsse, etc.). Es gibt eine Verkleidungskiste und für die „Großen“ (Gesellschafts-) Spiele und Puzzles. Ein großer Sitzsack und eine Hüpfmatratze laden zum Toben ein.
Zusammenarbeit mit Eltern…
…bedeutet für mich täglicher Informationsaustausch, damit wir gemeinsam die bestmögliche Betreuung der Kinder gewährleisten.
Kind zentrierte Entwicklungsgespräche
Kind zentrierte Entwicklungsgespräche finden jährlich mit den Eltern statt. Beobachte ich bei den Kindern einen möglichen Unterstützungsbedarf, informiere ich die Eltern umgehend und suche mit ihnen gemeinsam nach Lösungen.
Qualitätssicherung
Ich nehme regelmäßig an Fortbildungen zu Themen rund um Kindertagespflege oder Inklusion teil und der Austausch mit meiner Fachberatung ist selbstverständlich für mich.
Selbstreflektion und eine objektive Hinterfragung meiner Arbeit, auch anhand von diesem Konzept ist für mich ein weiteres Mittel die Qualität unserer Arbeit auf hohem Niveau zu halten.
Meine Standards sind …
- … eine auf die Kinder individuell abgestimmte Eingewöhnung.
- … Entwicklungsgespräche über das Kind – mindestens 1 Mal im Jahr. Dabei stehen die Entwicklung, die Interessen und Fähigkeiten, sowie geplante Maßnahmen zur gezielten Förderung des Kindes nach §9 Satz 3 Absatz 1 nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) im Vordergrund.
- … partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Eltern und Fachberatung.
Beschwerden…
….nehme ich grundsätzlich ernst. Wir vereinbaren einen Termin für ein Klärungsgespräch; falls nötig, schalten wir die zuständige Fachberatung Frau Terhoeven (Tel. 02152 917-3055) ein, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
